Berufsbildung in der Schweiz

Das Duale Bildungssystem

Viele Wege führen nach Rom

Das duale Bildungssystem (Praxis und Schule) basiert auf dem revidierten Berufsbildungsgesetz (BBG) von 2004. Damit wurden erstmals sämtliche Berufe ausserhalb der Hochschulen einem einheitlichen System unterstellt und so untereinander vergleichbar.

Das duale Berufsbildungssystem ist charakterisiert durch eine Kombination von Betriebslehre, staatlicher Berufsfachschule und praktischen, überbetrieblichen Kursen (organisiert durch die Organisationen der Arbeitswelt).

Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) ist zuständig für die Qualitätssicherung, die Weiterentwicklung sowie für die Verordnungen über die Grundausbildungen und die Anerkennung von Bildungsgängen und Prüfungen. Das SBFI versteht sich als Promotor der dualen Bildung.

Seit dem 1. Januar 2013 ist die Bildungspolitik auf Bundesebene in eine neue Struktur überführt: Das Staatssekretariat für Bildung und Forschung (bisher im EDI) und das BBT wurden unter dem Namen SBFI – Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation – zusammengelegt.

Facts und Figures zur Berufsbildung in der Schweiz

Facts und Figures zur Berufsbildung in der Schweiz

  • Die KMU bilden das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft. Über 300‘000 KMU beschäftigen zwei Drittel aller Berufstätigen und bilden drei Viertel aller Lehrlinge aus.
  • In der Schweiz werden rund 80‘000 Lehrstellen in rund 230 Lehrberufen angeboten.
  • Rund 30% der in Frage kommenden Unternehmungen bilden Lehrlinge aus.
  •  Der Anteil der Dienstleistungsberufe im Lehrstellenangebot ist auf 80% angestiegen.
  • Die Zahl der Lehrlinge nimmt ab:
    • 2009: Rund zwei Drittel der Jugendlichen machen eine Lehre
    • 1980: Noch drei Viertel der Jugendlichen machen eine Lehre
    • 2009 schliessen 68,7% der Jugendlichen eine Berufsbildung ab, 22,5% eine universitäre Ausbildung sowie 8,8% keinen Abschluss.
  • Frauen wählen auf Sekundarstufe eher den schulischen Weg:
    • Frauen: 27,6%
    • Männer: 17,7%

 

Stärken des dualen Bildungssystems

Stärken des dualen Bildungssystems

  • Nähe zum Arbeitsmarkt sowie zur Wirtschaft und deren Bedürfnissen.
  • Grosse Bedeutung für Sozialstaat: Das duale Bildungssystem trägt massgeblich dazu bei, Sozialhilfekosten zu senken, und es wirkt als Integrationsmassnahme.
  •  Der Übertritt aus der Lehre in die Wirtschaft ist viel einfacher als aus der Schule.
  • Das duale System sorgt für eine hohe Marktfähigkeit junger Leute, verringert dadurch die Erwerbslosenquote erheblich und bildet den zentralen Grund für eine vergleichsweise sehr tiefe Jugendarbeitslosigkeit.
  • Dem dualen Bildungssystem kommt eine hohe Bedeutung für die Schweizer Volkswirtschaft in Bezug auf deren Innovationsfähigkeit, Produktivität und Arbeitsqualität (Präzisionsarbeit) zu.
  • Es bestehen regionale Unterschiede: In der deutschen Schweiz wird der Berufslehre mehr Bedeutung zugemessen als in der Romandie. Die frankophonen Kantone haben in den letzten Jahren grosse Anstrengungen unternommen, um die duale Berufsbildung gegenüber den schulischen und universitären Ausbildungen besser zu positionieren. 

 

Spezifische Herausforderungen für das duale Berufsbildungssystem

Neben seinen Stärken muss sich das duale Berufsbildungssystem auch auf spezifische Herausforderungen vorbereiten

  • Die allgemeine Akademisierung der Berufe nimmt weiter zu.
  • Die globale Rezession kann sich negativ auf die Berufsbildung auswirken, insbesondere
  • auf das Lehrstellenangebot.
  • Während andere Staaten mit hoher Jugendarbeitslosigkeit zu kämpfen haben, präsentiert sich die Situation in der Schweiz zum Teil umgekehrt: Es findet ein Wettbewerb um talentierte junge Leute statt und lange nicht jeder Lehrmeister findet am Ende einen wirklich gut geeigneten Lehrling.
  • Demografische Veränderungen – z.B. weniger Schulabgängerinnen und -abgänger – könnten die Konkurrenz zwischen Allgemeinbildung und Berufsbildung verschärfen.
  • Das Berufsbildungssystem muss in ein allgemeines Referenzsystem eingebunden werden. Die Berufsbildungen und ihre Fachabschlüsse müssen sich mit den akademischen Abschlüssen vergleichen lassen.